Pünktlich kam die Fähre auf der Nordinsel an und wir fuhren in die Innenstadt von Wellington, wo wir uns für die nächsten Tage ein Zimmer gönnten. Das Hotel lag mitten in der Stadt und direkt an der Einkaufsmeile – also eine perfekte Ausgangslage für die Erkundung der Stadt. Zunächst führten uns unsere Mägen jedoch in einen nahegelegenen Pub. Da das Frühstück etwas spärlich ausfiel und wir irgendwie mal wieder richtig Lust auf etwas Fettiges hatten, bestellten wir zwei Portionen Fish and Chips. Danach schlenderten wir durch die Cuba Street. Restaurants, Cafés und Läden reihen sich hier aneinander. Es war schön sich endlich mal wieder im Trubel einer Stadt zu befinden. Einmal um die Ecke gebogen kamen wir zum Courtenay Place. Von der Ausgehmeile hatten wir schon im Reiseführer gelesen. Damit stand unser Abendprogramm fest. Nach einem kurzen Warm Up im Hotelzimmer mit ein bisschen Wein machten wir uns schick (so gut es mit den vorhandenen Klamotten ging) und marschierten los. Grölende Neuseeländer und zahlreiche Junggesellinnen Abschiede tingelten von einer Bar in die nächste und wir mittendrin. Das Angebot reicht von Irish Pubs bis zu Clubs mit elektrischen Bullen zum Rodeoreiten – es ist also für jeden Geschmack etwa dabei. Wir beschränkten uns auf zwei Bars und „Mambo Number 5“ war für uns schließlich das Signal nach Hause zu gehen :-).
Am nächsten Morgen wachten wir dann komischerweise mit etwas Katerstimmung auf. Nach ausgiebiger Tiefenreinigung im Bad und einem nahrhaften Frühstück waren wir aber wieder einigermaßen auf Spur und konnten unser Sightseeing-Tagesziel doch noch erfüllen. Über die Zahnradbahn erreichten wir den Botanischen Garten in Wellington. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Stadt und den Hafen. Durch den Park und den Rosengarten gibt es einen Weg, der wieder zurück in die Innenstadt führt. Am modernisierten Hafenviertel entlang, wo einige wagemutige auf der Slackline über das Wasser balancieren, liefen wir zurück zum Hotel. Am nächsten Tag gingen wir zeitig los um im Museum of New Zealand (Te Papa Tongarewa) mehr über die neuseeländische Geschichte zu erfahren. Die Ausstellungen zeigen unter anderem wie stark sich die Natur des Landes in den letzten 150 Jahren verändert hat. Aus einer Insel voller Regenwald wurde eine einzige große Weide. Am Abend schauten wir uns dann noch Wellington von oben an. Auf dem Mount Victoria hat man einen 360 Grad Rundumblick auf alle Stadtteile. Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft liefen wir noch an der Oriental Bay vorbei, dem Stadtstrand von Wellington.
In den letzten Tagen war das Wetter sehr schön und ungewöhnlich heiß. Die Hitzewelle die vor einigen Wochen in Australien wütete hatte nun auch Neuseeland erreicht und bescherte uns sonnige Tage. Da wir bei unserer ersten Etappe auf der Nordinsel die Ostseite der Insel angeschaut hatten, wollten wir nun auf der Westseite entlang zurück nach Auckland fahren. Aus Wellington raus machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Kaitoke Regional Park, wo sich das Set von Bruchtal aus den Herr der Ringe Filmen befand. Obwohl vom Set nichts mehr übrig ist, ist es dennoch ein sehr schöner Ort.
An der Küste entlang ging es dann nach Norden. Die nächsten drei Tage verbrachten wir direkt am Meer, wo nach so langer Zeit auch endlich wieder unsere Schwimmsachen zum Einsatz kamen. Die Strände an der Westküste sind dabei etwas Besonderes da sie aus glitzerndem schwarzen Sand bestehen, der aufgrund von Quarzkristallen vulkanischen Ursprungs seine Farbe erhält. Bei Sonne heizt sich der Boden sehr stark auf und es macht Sinn bei einem Strandspaziergang Flip-Flops zu tragen.
Nach wunderschönen Tagen am Meer war das nächste Ziel Mount Egmont. Der Vulkan besticht durch seine fast perfekte Symmetrie und ist meistens in Wolken gehüllt. So auch an diesem Tag. Da sich das Wetter aber schnell ändern kann, entschieden wir eine kurze Wanderung zu unternehmen, um vielleicht doch noch einen Blick auf den Gipfel zu erhaschen. Auf dem Rückweg hatten wir dann tatsächlich Glück. Die Wolken rissen auf und nun konnten wir den Krater erkennen, der auch zu dieser Zeit noch mit etwas Schnee bedeckt ist. Unser Weg führte uns anschließend ins Landesinnere, da wir ein Stück auf dem Forgotten Highway fahren wollten. Die Straße und auch die Siedlungen, die dort liegen sind nach dem Bau der Eisenbahn und nach mehreren Naturkatastrophen in Vergessenheit geraten und wurden auch nicht großartig von der Regierung unterstützt, was dazu führte, dass kaum noch Menschen hier leben. Die verbliebenen Bewohner ließen sich jedoch nicht unterkriegen und gründeten kurzerhand ihren eigenen Staat (Republic of Whangamomona). Regelmäßig finden hier auch Wahlen statt. In den letzten Jahren erhielt eine Ziege die Mehrheit und löste damit einen Hund als Präsidenten ab. Das Ganze ist also nicht wirklich ernst zu nehmen, lockt aber den ein oder anderen Touristen an. Direkt im Städtchen Whangamomona schlugen wir dann auch unser Nachtlager auf. Hier trafen wir auf neugierige Hühner, die wie wir auch mal wieder, dringend einen Haarschnitt nötig hatten.
Am nächsten Morgen ging es vorbei am Mount Damper Wasserfall zurück an die Küste. Die traumhafte Panoramastrasse führte direkt am Meer entlang. In Waitomo steuerten wir unseren nächsten Campingplatz an. In der Jugendherberge mit angeschlossenem Campingplatz fühlten wir uns wohl, planschten im Pool und knuddelten die süßen Hundebabys. Da unsere Zeit in Neuseeland schon langsam zu Ende ging, mussten wir uns auch um eine Unterkunft in Auckland kümmern. Weil wir ja noch unseren geliebten Bruno verkaufen mussten und uns noch etwas die Stadt anschauen wollten, beschlossen wir eine Woche in Auckland zu bleiben. In der Unterkunft, in der wir auch das erste mal in Auckland übernachtet hatten, ergatterten wir das letzte Zimmer. Uns blieb jetzt nur noch knapp eine Woche bis wir am Endpunkt unserer Neuseelandreise angekommen waren.
Am nächsten Morgen erkundeten wir Waitomo, ein Ort der für seine Höhlensysteme und vor allem seine Glühwürmchen bekannt ist. Die Glühwürmchen hatten wir nun ja schon in Te Anau gesehen und so beschränkten wir uns auf einen einstündigen Rundweg, der durch den Regenwald und durch vom Regenwasser geformte Felstunnel in eine Höhle führt. Das Wasser rauscht durch die Dunkelheit und höhlt den Felsen immer weiter aus. Zurück am Tageslicht fuhren wir nach Raglan und an den bekannten Ruapuke Beach. Hier wimmelte es von Surfern und anderen Wassersportlern, die sich in die Welle stürzten. In der Nähe von Raglan stürzt der Bridal Veil Wasserfall 75 Meter in die Tiefe.
Da wir unbedingt noch auf die Coromandel Peninsula fahren wollten, blieben wir nur bis zum Mittagessen in Raglan und machten uns dann auf den Weg. Auf der Halbinsel angekommen, steuerten wir einen sehr schönen Campingplatz in Opoutere an, den wir im Vorfeld ins Auge gefasst hatten. Von unserem Stellplatz aus ging es zu Fuss durch einen kleinen Pinienwald ans Meer. Wir zögerten nicht lange und nutzten die letzten Sonnenstrahlen um in die Fluten zu springen.
Opoutere war ein guter Ausgangspunkt, von dem aus wir am nächsten Tag zur Cathedral Cove starten konnten. Kommt man am Besucherparkplatz an, wird man darauf hingewiesen, dass die Cove nur über einen 75 minütigen Fußmarsch erreichbar ist. Alternativ gibt es die Möglichkeit ein Busshuttle zu nehmen. Da uns das Ganze etwas komisch vorkam, entschieden wir uns für den Fußmarsch, den man definitiv auch in 45 Minuten schafft, wenn man nicht gerade mit Krücken unterwegs ist. Das letzte Stück des Weges führt über eine Treppe hinunter zum Strand. Die beiden Strände, die durch die Cove miteinander verbunden sind, laden zum schwimmen ein. Jedoch muss man die Traumlage mit sehr vielen Touristen teilen. Ganz in der Nähe liegt der bekannte Hot Water Beach, den wir uns natürlich auch noch anschauten. Mit Schaufeln bewaffnet ziehen hier die Besucher bei Ebbe an den Strand und fangen wie wild zu buddeln und zu graben an. Jedoch geht es nicht um die Suche nach Schätzen, sondern um die heißen Quellen, die direkt unter dem Strand verlaufen. So entstehen zahlreiche Pools in denen sich Menschen entspannen. Wir übernahmen ein verlassenes Loch und fingen auch zu graben an. Und tatsächlich, nachdem wir ca. 30 cm weiter gebuddelt hatten wurde es auf einmal warm. Wir gruben noch etwas weiter und setzten uns ins warme Wasser. Als die Flut einsetzte schafften wir es gerade noch rechtzeitig aus unserem Sandloch, bevor uns eine Welle erfassen konnte. Das Pärchen neben uns hatte weniger Glück und wurde unsanft vom kalten Wasser aus dem entspannten Whirlpool geschmissen.
Dann war unser kurzer Abstecher nach Coromandel schon wieder vorbei. Da es zu Beginn unserer Neuseeland Reise oft geregnet hatte, wollte wir unbedingt nochmal zurück nach Northland (nördlich von Auckland) um dort zu schnorcheln. Einer der besten Plätze ist die Bucht von Goat Island. Hier lässt sich die Unterwasserwelt entspannt direkt vom Strand aus mit Tauchermaske und Schnorchel erkunden. Schwärme von Fischen kreuzten unsere Weg. Die Nacht verbrachten wir auf einem Platz der seine besten Jahre schon hinter sich hat, leider aber der einzige direkt in der Nähe von Goat Island ist. Schon am Abend wunderten wir uns über die vielen, hauptsächlich neuseeländischen, Camper. Am nächsten Tag, zurück auf dem Highway, kam uns dann eine unaufhörliche Blechlawine entgegen. Nach kurzer Recherche fanden wir heraus, dass ein nationaler Feiertag war, den wir mal wieder nicht auf dem Schirm hatten. Aufgrund des tollen Wetters strömten Familien mit Kind und Kegel an den Strand. In Red Beach fanden wir trotzdem einen schönen Stellplatz, der sogar einen Privatstrand hat. Die nächsten Tage konnten wir hier noch ausgiebig Sonne tanken und die Kitesurfer bei Ihren teilweise spektakulären Sprüngen beobachten.
Nach rund 10 Wochen auf Achse ging es nun zurück nach Auckland wo unser Neuseeland Abenteuer begann. Schon auf der Fahrt in die Stadt kam ein bisschen Wehmut auf, da wir wussten, dass wir unserem treuen Begleiter Bruno bald lebe wohl sagen müssen. Wir checkten ein und verstauten unsere sieben Sachen erst einmal im Zimmer. Am nächsten Morgen wollten wir auf eine Automesse gehen, um hier unseren Bulliden an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Vorher unterzogen wir Bruno aber noch einer Schönheitskur. Wir schrubbten und saugten was das Zeug hielt und brachten unser Goldstück auf Hochglanz. Leider hat sich der Aufwand wenig gelohnt, da auf der Messe ca. 20 Besucher waren aber rund 50 Camper und noch 150 andere Autos zum Verkauf standen. Das Einzige was wir zu sehen bekamen, waren die anderen enttäuschten Backpacker, die ebenfalls auf ihrem Auto sitzen blieben. Da wir noch genug Zeit bis zur Weiterreise hatten, waren wir aber relativ entspannt und ärgerten uns nicht so sehr über die erfolglose Messe. Zurück in der Unterkunft riefen wir gleich unseren Plan B auf. Bei unserer Ankunft Ende November hatten wir ein etwas komisches Erlebnis. Auf einem Supermarkt Parkplatz sprach uns ein etwas zerzauster Zeitgenosse auf unseren Wagen an und sagte wir sollen uns doch bei ihm melden wenn wir zurück sind und ihn wieder verkaufen möchten. Also gesagt getan. Direkt nach der Messe riefen wir David an und tatsächlich hatte er noch Interesse. Nach einer kurzen Probefahrt, machte er uns ein Angebot, was leider nicht wirklich dem entsprach was wir uns vorgestellt hatten. Wir grübelten eine Nacht darüber und entschieden uns Bruno trotzdem an ihn zu verkaufen. Die Übergabe war dann doch sehr emotional. Nach der Geldübergabe düste unser Nissan vom Parkplatz und wir sahen ihm wehmütig hinterher, wie er am Horizont verschwand. Nun waren wir also wieder auf uns allein gestellt. Unsere liebevoll zusammengestellte Camping Ausrüstung fand leider keinen großen Zuspruch. Trotz Inseraten auf zahlreichen Seiten konnten wir nur ein paar Teile loswerden. In den Städten hatten wir immer wieder Läden der Salvation Army (Heilsarmee) gesehen und dachten uns, ob sie dort vielleicht Verwendung hätten, sodass die Sachen vielleicht einen neuen Besitzer finden würden. Tatsächlich freuten sie sich über die Spende und schickten einen drei Zentner schweren Samoaner mit deutschen Vorfahren vorbei, der alles bei uns abholte.
Die restlichen Tage bis zu unserem Flug nach Chile verbrachten wir damit Auckland noch etwas kennenzulernen. Zuerst ging es über die Haupteinkaufsstraße Richtung Hafen, wo sich an der Promenade ein Restaurant an das nächste reiht. Daneben liegen Yachten und Segelboote, die beim Americas Cup an den Start gehen, vor Anker. Vom Hafen starten auch die Fähren zur Rangitoto und Waiheke Insel. Am Abend schlenderten wir über ein Laternen Festival, das anlässlich des chinesischen Neujahrs stattfand. Auch am nächsten Abend waren wir unterwegs. Im Silo Park hat man sich etwas einfallen lassen, um den alten Silos einen neuen Zweck zu geben. Im Sommer werden hier kostenlos und unter freiem Himmel Filme gezeigt. So auch an diesem Abend. Gemütlich schauten wir uns unter Sternenhimmel Jurassic Park an. Eine Sache hatten wir in Australien und auch in Neuseeland bisher nicht geschafft. Wie wollten unbedingt auf irgendein Sportevent gehen. An unserem vorletzten Tag hat es dann endlich spontan doch noch geklappt. Im Stadion in Auckland trafen die Auckland Blues auf die Christchurch Crusaders im Rugby. Trotz absolut mangelnder Kenntnisse über die Regeln hatten wir jede Menge Spaß beim Spiel und bejubelten jeden Punkt für Auckland. (Leider hat Christchurch aber gewonnen).
Nach knapp 3 Monaten und rund 10.000 km Fahrt verlassen wir nun Neuseeland. Wir haben viel erlebt und so unglaublich viel schöne Natur gesehen. Nun erwartet uns in Chile eine ganz andere Welt und Kultur. Wir sind gespannt worüber wir euch von dort aus berichten können.
More seasides to come…
Madeleine & Christoph

Hallo Ihr zwei Weltenbummler. Eure Bilder und Beschreibungen faszinieren mich. Besondrrs Von Neuseeland. Das liegt sicher auch daran, dass ich selbst vor Jahren 4 Wochen über beide Inseln tourte. Da werden Bilder und Erlebnisse wieder wach.
Heute gibt es einen besonderen Grund der Kontaktaufnahme. Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Geburtstag, lieber Christoph. Alles Gute für Dich und Dein neues Lebensjahr. Noch viele tolle Erlebnisse und kommt gesund zurück. Euer Bodo
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