milford sound to picton

 

Mit den Eindrücken der tollen Rundfahrt am Milford Sound im Gepäck, düsten wir gleich nach der Bootsfahrt weiter Richtung Süden zum Lake Manapouri. Wir ergatterten den vorletzten freien Platz auf einem schönen Campingplatz direkt am See. Auf unser Neuseeland Bucket List war noch ein weiterer Punkt offen und zwar der Besuch einer Glühwürmchen-Höhle. Die bekannteste liegt in Waitomo auf der Nordinsel, jedoch wurden wir hier bei einem unserer Stops von einem Pärchen gewarnt, dass es wohl eine ziemliche Massenabfertigung und das Geld nicht wert sei. Deshalb suchten wir nach einer Alternative und wurden in Te Anau, also ganz in unserer Nähe fündig. Nach einem kurzen routinemäßigen Check der Wettervorhersage, buchten wir schwupp die wupp eine Tour für den Abend – so viel Sightseeing an einem Tag gab‘s noch nie! 30 Minuten geht es bei der Tour über den Lake Te Anau bis man am Anlegesteg, der zur Höhle führt, ankommt. Wir hatte ja die Abendtour gebucht und irgendwie ist schon das Ankommen am Steg magisch. Über den beleuchteten Holzsteg geht man direkt auf einen dichten Wald zu und kommt dann zu einer schönen Holzhütte. Dort wird man nach einer kurzer Einführung in kleinere Gruppen à 14 Personen eingeteilt. Wir gehörten zur ersten Gruppe und für uns ging es gleich rein in die Höhle. Nach einem schmalen Einstieg wurde der Geräuschpegel immer höher, da das Wasser, das die Höhle geformt hat (und weiter formt) unter uns entlang schoss. Es ging über Treppen und Metallplanken weiter ins Innere. Nun gelangten wir zum Beginn des Teils mit den Glühwürmchen. Wir stiegen auf ein kleines Boot, das Licht wurde gelöscht und wir sollten ab jetzt ganz ruhig sein. Unser Guide zog uns langsam in die Höhle. Das Rauschen des Wassers wurde immer leiser. Und dann konnten wir sie sehen… tausende von hellen Punkten an den Felswänden. Wir kamen den Tieren so nahe, dass man sie mit den Händen berühren hätte können. Nach einigen Minuten vergaß man jede Einschätzung von Raum und Zeit. Es kam uns vor als wären wir in einer anderen Welt und wir dachten wir wären ganz alleine unterwegs. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus und unsere Münder und die der anderen Passagiere standen auch nach dem wir wieder aus der Höhle raus waren noch weit vor Begeisterung offen. Definitiv eines der Highlights unsere bisherigen Reise, das wir bestimmt nicht vergessen werden. 

Am nächsten Morgen starten wir dann nach Süden. Da es regnete, entschlossen wir Strecke zu machen. Wir wollten mal wieder einen freien Platz anfahren, um den Regentag auszusitzen. Irgendwie waren wir aber an diesem Tag nicht wirklich entscheidungsfreudig, was die Auswahl erheblich in die Länge zog. Wir entschieden uns schließlich für ein kleines Waldstück, bei dem wir uns unter einen großen Baum stellen konnten und somit dem Regen größtenteils entflohen.

Der Tag darauf sah schon wieder freundlicher aus. Wir fuhren Richtung Catlins, wo wir die nächsten Tage verbringen wollten. Der erste Stop am Curio Bay ist bekannt für die seltenen Yellow Eyed Penguins, die hier in freier Wildbahn beobachtet werden können. Nach dem Abendessen liefen wir also los. Da der Campingplatz direkt neben den Nistplätzen der Pinguine liegt, war das Ziel schnell erreicht. Vom Platz aus geht es runter auf einen felsigen Strand, dessen Felsen sich bei näherem Hinschauen als versteinerte Bäume und Pflanzen herausstellen. Bei einem Vulkanausbruch vor Millionen von Jahren wurde der Urzeitwald von Lava verschüttet und konnte dadurch konserviert werden. Inzwischen ist dort wo einst Bäume wuchsen das Meer. Die Fasern und Jahresringe der Baumstümpfe kann man noch richtig erkennen und unweit davon watscheln und hüpfen tatsächlich Pinguine und gehen im Meer auf Futtersuche für den Nachwuchs. Ein wirklich toller Ort!

Die Weiterfahrt auf der Küstenstrecke entlang, führte uns zu den Cathedral Caves, die nur bei Niedrigwasser besucht werden können. Durch die Kraft des Meeres ist hier ein riesiges Höhlensystem entstanden. Besonders die Höhe ist sehr beeindruckend und der Eingang der einen Höhle sieht wirklich wie der Eingang einer riesigen Kirche aus. 

Für die Nacht hatten wir uns mal wieder einen DOC Campingplatz ausgesucht. Da von dort aus der Strand fußläufig zu erreichen ist, machten wir uns zu einem kleinen Spaziergang auf. Auf dem Rückweg riss Christoph dann auf einmal unter Schreien Pulli und T-Shirt über den Kopf und donnerte beides auf den Boden. Ein nicht identifiziertes flugfähiges Insekt hatte sich heimtückisch von oben auf ihn und in seinen Pullover gestürzt. Da dadurch neben Christoph auch das Tierchen in Panik geriet, biss es direkt zweimal beherzt zu. Das Ergebnis waren zwei eigroße Stiche, die aber von Madeleine direkt medizinisch versorgt wurden. 

Bei der Abfahrt am nächsten Morgen war Bruno dann wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden. Die linke Vorderbremse machte sich durch lautstarkes Quietschen bemerkbar. Unser erster Gedanke war ein verkeilter Stein, da wir dies in Australien schon einmal erlebt hatten. Das Geräusch wollte und wollte jedoch nicht besser werden, sondern schien sich im Gegenteil noch zu verschlimmern. Ungeachtet dessen, machten wir vor unserer Ankunft in Dunedin noch einen Stop beim Nugget Point. Nach einem kurzen Fußmarsch gelangt man an einen schönen Aussichtspunkt, von dem man die Felsen im Meer bestaunen kann. Unten tummeln sich zudem zahlreiche Seehunde.

In Dunedin angekommen, machten wir uns dann zunächst auf um die Stadt etwas zu erkunden. Wir fühlten uns in der Studentenstadt mit schottischen Wurzeln direkt wohl und blieben noch für ein Bierchen bzw. einen Cider in der Stadt. Die Gedanken um das Geräusch bei unserem treuen Begleiter ließen uns aber nicht los. Am nächsten Morgen entschieden wir deshalb auf Nummer sicher zu gehen und eine Werkstatt anzufahren. Die dritte Werkstatt hatte endlich Zeit um sich das Problem anzuschauen. Wir ließen Bruno wehmütig zurück und erwarteten den Anruf der Werkstatt. Die Stunden vergingen, dann klingelte endlich das Telefon. Anstelle einer erleichternden Diagnose bekamen wir jedoch den Satz zu hören, den kein Autobesitzer gerne hört: „Your car is very sick… it will cost you a lot of money!“ Die Ansage hatte gesessen. Mit flauem Magen düsten wir zurück zur Werkstatt. Auf dem Weg malten wir uns schon alle möglichen Szenarien aus. Sollte in Dunedin etwa unsere Neuseeland Reise ein jähes Ende haben? Angekommen liefen wir wie bei einem Arztbesuch zum Mechaniker. Er zeigte uns den Grund des Geräusches. Die Bremsbeläge waren komplett hinüber inkl. der Bremssattelkolben. Nach etwas hin und her rechnen stand fest, der Spaß würde uns rund 500$ (300€) kosten. Wir schauten uns an und dachten, dass wir Bruno hier nicht so hängen lassen können, da er uns ja schon so weit gebracht hatte. Zähneknirschend zückten wir die Kreditkarte und ließen die Bremsen erneuern. Nach weiteren zwei Stunden war der Spuck vorbei und Bruno wieder fahr- und bremsbereit. Auf diesen Schock brauchten wir erstmal ein Glas Vino. Am darauffolgenden Tag schlenderten wir noch etwas durch Dunedin. Vorbei an der schönen Railway Station und öffentlichen Gebäuden, bei denen man sich wie in Edinburgh fühlt. Zum Abschluss ging es noch in die Kunstgalerie, bei der, wie hier in vielen Museen, der Eintritt frei ist.

Dunedin war auch der Ort in dem wir uns bezüglich unseren weiteren Fahrt nach Norden entscheiden mussten. Die erste Option war dabei die Fahrt über den Haast Pass zur Westküste und dann am Franz Josef und Fox Gletscher vorbei nach Norden. Alternativ war die Weiterfahrt an der Ostküste entlang möglich. Wir machten die Entscheidung von den Wettervorhersagen für die nächsten Tage abhängig. Ein kurzer Blick genügte und die Route stand fest. Da im Westen sehr durchwachsenes Wetter angesagt war und es im Osten nur strahlenden Sonnenschein geben sollte, ging es zurück nach Christchurch.  Hier konnten wir unsere Ortskenntnis vom ersten Besuch nutzen und steuerten für die Nacht einen kostenlosen Platz an, auf dem wir schon einmal übernachtet hatten. Auf dem Weg dort hin, machten wir noch einen Abstecher zu den Moeraki Boulders, die wie riesige Kieselsteine im Meer liegen.

Langsam war es auch an der Zeit sich um die Fähre für unsere Rückfahrt auf die Nordinsel zu kümmern. Wir wurden schnell fündig (die Hochsaison für die Überfahrten war vorbei) und buchten. Fünf Tagen blieben uns jetzt also noch auf der Südinsel und davon wollten wir jeden ganz entspannt am Meer verbringen. 

Unser letztes großes Etappenziel auf der Südinsel war Kaikoura, was bekannt ist für Wale und Delphine, die man von dort beobachten kann. Auf unserem angepeilten Campingplatz fanden wir ein schönes Plätzchen direkt am Meer. In einiger Entfernung konnte wir dann Delphine sehen, die mit Sprüngen und Überschlägen durchs Wasser flitzten. Nach dem Abendessen machten wir es uns draußen noch etwas gemütlich, als plötzlich der größte Mond aufging, den wir jemals gesehen haben. Das Licht spiegelte sich im Meer und auf den Felsen. 

Am Malfells Beach fanden wir dann unseren nächstes Nachtlager. Der DOC Campingplatz liegt direkt am Meer und in der Ferne kann man schon die Nordinsel erkennen. Der Strand ist perfekt für einen Spaziergang und bei Ebbe kann man in zwei Stunden Fußmarsch einen Leuchtturm erreichen. Da uns der Platz so gut gefiel entschieden wir uns spontan eine Nacht zu verlängern. Es war einfach schön bei Meeresrauschen einzuschlafen und am nächsten Morgen mit dem Geruch des Meeres aufzuwachen.

Den Tag vor der Überfahrt nach Wellington verbrachten wir dann schon direkt in Picton, wo die Fähre am nächsten Morgen um 9.00 Uhr ablegen sollte. Wir nutzten die Gelegenheit um uns und unsere sieben Sachen mal wieder auf Vordermann zu bringen. Das heißt, wir belagerten erstmal Dusche und Waschmaschine :-). Am nächsten Morgen klingelte um 7.00 Uhr der Wecker und es ging auf zum Hafen. Da wir aus der Hinfahrt gelernt hatten und wussten dass ein gewisser Mangel an guten Plätzen besteht, flitzten wir direkt an Bord und sicherten uns einen schönen Fensterplatz.

Nun liegt die letzte Etappe unserer Neuseeland Reise vor uns. In Wellington werden wir ein paar Tage verbringen und dann an der Westküste entlang über die Comorandel Penisula zurück nach Auckland fahren.

More seasides to come…

Madeleine & Christoph

 

 

 

Ein Gedanke zu „milford sound to picton

Hinterlasse eine Antwort zu Toni Antwort abbrechen