Der Tag der Überfahrt auf die Südinsel war gekommen. Am frühen Morgen um 6.30 Uhr ging es in Richtung Wellington und von da aus ab auf die Fähre. Nach einer gefühlten Ewigkeit durfte dann auch unser Bruno an Bord fahren und bekam einen schönen Platz auf dem Oberdeck. Wir machten uns erstmal auf ins Bordcafe, um unsere morgendliche Portion Koffein zu tanken, da für ein Frühstück noch keine Zeit war. Da die Fahrt rund 3,5 Stunden dauern sollte, hatten wir genug Zeit per WhatsApp mal wieder mit der Heimat in Verbindung zu treten. Eine Stunde vor Ankunft verlangsamte sich die Fahrt deutlich. Wir waren am Beginn der Marlborough Sounds angekommen. Das Schiff steuerte an den Fjorden vorbei in Richtung Picton, dem Anlegehafen. Um die tolle Landschaft besser zu bewundern, gingen wir hoch auf das Sonnendeck. Das Wetter und die Sicht auf die Buchten waren einfach perfekt. Wir blieben bis kurz vor Ankunft an der Reling stehen. Eine Lautsprecherstimme forderte uns dann auf uns langsam Richtung Auto zu bewegen. Als wir bei Bruno angekommen waren, mussten wir feststellen, dass sein Plätzchen am Oberdeck vielleicht doch nicht so toll war. Durch den Wind auf hoher See war das Auto von oben bis unten mit einer schönen dicken Salzschicht umhüllt. Nach intensiver Benutzung der Scheibenwischanlage war zumindest wieder klare Sicht nach vorn. In Kolonne ging es dann runter von der Fähre.
Da wir uns relativ schnell von den Touristenmassen entfernen wollten, fuhren wir schnurstracks durch Picton und über den Queen Charlotte Highway Richtung Norden. Auf der engen Kurvenstraße kamen wir an tollen Buchten und schönen kleinen Orten vorbei. Vor Havelock ging es rechts ab. Da die nächste Tage weiterhin schön sein sollten, entschieden wir länger in der Region der Marlborough Sounds zu bleiben. Auf der Strecke waren nun auch deutlich weniger Wohnmobile unterwegs. Die Straße schlängelte sich durch Wälder an der Küste entlang. Für die erste Übernachtung auf der Südinsel haben wir uns einen kleinen Platz vom DOC (eine Art Ministerium für Naturschutz) ausgesucht. Da wir die Ersten waren, hatten wir freie Platzwahl und haben uns natürlich den Schönsten geschnappt, fast direkt am Wasser. Hier konnten wir auch das erste Mal in Neuseeland ein bisschen schwimmen und uns am Strand fläzen. Am nächsten Morgen fuhren wir noch weiter nordwärts. Auf halbem Weg zum Campingplatz hielten wir an, um den Mount Stokes zu besteigen. Der Track war mit einer Zeitspanne von 3 – 5 Stunden angesetzt. Alles klar, 3 Stunden also. Los gehts! Nach leichtfüßigem Start wurde der Pfad immer steiler. Wir kletterten über Wurzeln, Steine, umgefallene Bäume und es war kein Ende in Sicht. Kurz bevor wir aufgeben wollten erreichten wir den Gipfel und wurden mit einem sensationellen 360 Grad Blick auf die Marlborough Sounds belohnt. Am Ende waren wir dann doch knapp 5 Stunden unterwegs und nach der Klettertour auch ziemlich k. o.. Gut, dass die Fahrt zum Campingplatz an der Titirangi Bay nicht mehr weit war. Nachdem wir die Wälder hinter uns gelassen hatten, hatten wir freien Blick auf das Meer und auf den Campingplatz, der einige hundert Meter unter uns lag. Der Weg nach unten war ein Abenteuer bestehend aus engen Kurven und steilen Abhängen. (Wieder einmal tätschelten wir unserem Bruno liebevoll die Kühlerhaube als wir unten ankamen. Mit einem Campervan tut man sich hier definitiv schwer.) Der Platz befand sich mitten auf einer Schafsfarm und lag fußläufig zum Meer. Nach der anstrengenden Wanderung freuten wir uns erstmal auf eine Dusche (leider nur eiskalt… aber was soll’s! – brrrr…) und ein ordentliches Abendessen.
Für die nächsten Tage sah das Wetter wieder nicht so rosig aus, deshalb entschieden wir uns am nächsten Morgen Strecke zu machen. Unser nächstes Etappenziel sollte der Abel Tasman Nationalpark sein. Durch den Regen fuhren wir nach Nelson. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Stadt ging es weiter. Da das Wetter wechselhaft bleiben sollte, wir aber unbedingt einen Teil des Abel Tasman Tracks laufen wollten und wir immer noch nicht wussten wo wir Weihnachten verbringen werden, musste ein Schlachtplan her. Am nächsten Morgen buchten wir uns deshalb kurzerhand ein Hotel für Heiligabend. Bis dahin waren es noch 4 Nächte, die wir im Abel Tasman Park verbringen wollten. In der ersten Nacht peilten wir einen kostenlosen Platz an einem Fluss an. Dieser verwandelte sich zu später Stunde zu einer Art Zeltlager, da immer mehr Camper ankamen. Gott sei Dank hatten wir uns rechtzeitig ein lauschiges Plätzchen gesucht, weshalb uns das dann weniger störte.
Nach dem bewährten Frühstücks-Müsli, besuchten wir von dort aus am nächsten Morgen zunächst die Pupu Springs (ja, die heißen wirklich so ;-)) und fuhren dann mitten in den Nationalpark zum Harwoods Hole, bei dem es auch direkt einen Campingplatz gibt. Wir saßen im Auto bis der Regen aufgehört hatte, dann stiefelten wir los. Nach halber Strecke begann es erneut zu regnen, was den Aufstieg auf den glitschigen Felsen zur Rutschpartie machte. Wir erreichten dennoch nach ca. 1 1/2 Stunden das „Hole“, wobei es sich um eine rund 180 Meter tiefe Höhle handelte. Die Nacht war überraschend kühl, was den nächtlichen Gang zur Toilette (es gab Kamillentee vor dem Einschlafen ;-)) zu einer extrem unangenehmen Prozedur machte. Deshalb waren wir umso froher, am nächsten Morgen endlich wieder die Sonne zu sehen. Wir starteten nach Marahau, von wo aus der Abel Tasman Wanderweg beginnt. Für den Tag hatten wir uns eine rund 13 km lange Etappe bis zur Anchorage Bay vorgenommen. Es ging durch den Urwald vorbei an traumhaft schönen Sandstränden. An den Stränden besteht auch die Möglichkeit zu Campen, was wir uns für unseren nächsten Neuseeland-Urlaub schon fest eingeplant haben :-). Wir liefen jedoch zurück zu unserem gebuchten Platz für die Nacht. Nach 26 km waren die Beine schwer und der Magen leer und wir freuten uns auf eine heiße Dusche.
Nun war es noch ein Tag bis Heiligabend und wir versuchten uns mit Christmas-Playlists in Weihnachtsstimmung zu bringen. Unser Weg Richtung Hotel führte uns an die Westküste nach Westport und dann nach Norden. Die Landschaft war an der Küstenstraße wieder völlig anders als in den Tagen zuvor. Kilometer lange graue Strände und raue See erwartete uns in Mokihinui, wo wir die Nacht zum 24. verbringen wollten. Bei einem Glas Rotwein saßen wir auf der Düne und betrachten den beeindruckenden Sonnenuntergang. Dann war der heilige Abend gekommen. Natürlich wollten wir unser geplantes Menü frisch einkaufen, was aber natürlich auch noch 10.000 andere Menschen wollten. Das führte zu der gewohnt wahnsinnigen Situation im Supermarkt. Nach einer Stunde hatten wir dann aber alles zusammen und fuhren nach Karamea. Das Hotel war wirklich sehr gemütlich. Im Garten fanden wir einen netten Sitzplatz und feierten unser erstes Weihnachten weg von zu Hause und der Familie :-(. Unser leckeres Drei-Gänge-Menü in Hirschgeweihgarderobe hat das Heimweh aber etwas gedämpft und wir genossen den Abend in trauter Zweisamkeit.
Nun geht es weiter Richtung Süden an der Westcoast entlang und über den Arthurs Pass nach Christchurch, wo wir Silvester feiern werden.
More seasides to come…
Madeleine & Christoph

Geile Bilder, Guten Start ins neue Jahr ihr Zwei
LikeGefällt 1 Person
Dankeschön!
LikeGefällt 1 Person