peru

Von der heißen Atacama Wüste Chiles aus ging es mit dem Bus in die Stadt Arica im Norden des Landes. Die Grenze zu Peru war nun schon zum Greifen nah. Vor dem Sonnenaufgang standen wir in Arica am Bus Terminal und warteten auf die Weiterfahrt nach Tacna, der ersten größeren Stadt in Peru. Auf dem Bahnhof war ganz schön was los, wenn auch weit und breit kein anderer Tourist in Sicht war. Nach einigen Minuten hatten wir aber durch Hand und Fuß Kommunikation zum richtigen Terminal für die Weiterfahrt gefunden. Ein Mann mittleren Alters überbrückte die Wartezeit schlafend auf einer Steinbank, dick eingekuschelt in eine Decke und mit seiner Mama als Wächterin neben ihm. Er schlief, bis er vom Kaffeeverkäufer am Fuß gesetzt xekitzelt und damit unsanft geweckt wurde. Dieser preiste seine Ware um 5.30 Uhr zudem lautstark an: „Kaffee, Kaffee, Kaffeeeeee!“. Schon wie in manch anderen Situationen waren auch in Arica wieder viele nette Leute unterwegs, die merkten das wir keinen Plan hatten wo hin wir mussten und wie alles abläuft. Ein älteres Pärchen dirigierte uns zum Platz im Bus und half uns auch das Gepäck abzugeben. Mittlerweile war es nach 7.00 Uhr und wir hingen schon ganz schön in den Seilen. Nach dem üblichen Einreise-Formalitäten an der Grenze, kamen wir in Tacna an. Unser erstes Etappenziel in Peru hatten wir aber noch nicht erreicht. Da wir nach gut 14 Stunden im Bus noch nicht genug hatten, wollten wir direkt weiter in die weiße Stadt Arequipa. Von Tacna aus sollten hier stündlich Busse abfahren. Doch am Fahrkarten-Schalter herrschte erst einmal totale Verwirrung. Mit unseren sehr bruchstückhaften Spanischkenntnissen verstanden wir, dass der nächste freie Bus erst am nächsten Morgen um 8.00 Uhr (spanisch: „ocho manana“) verfügbar sein sollte. So war das aber nicht geplant. Nach einigem hin und her fanden wir jedoch etwas heraus, was wir nicht wirklich auf dem Schirm hatten. Zwischen Chile und Peru gibt es eine Zeitverschiebung von zwei Stunden. Für uns war also schon 10.00 Uhr und bei der Frage nach einer Weiterfahrt um 10.30 Uhr oder 11.00 Uhr wollte man uns lediglich klar machen, dass es 8.00 Uhr am Morgen ist. Alles klar, somit ging es mit aktualisierter Uhrzeit auf unseren Handys und schon bereits um 8.30 Uhr mit dem Bus nach Arequipa. Diese letzte Busfahrt wird uns wohl immer in Erinnerung bleiben, den die spanischen Filme die mit in ohrenbetäubender Lautstärke über die Lautsprecher liefen, in Kombination mit einem ungewaschenen Fahrgast, der ein paar Reihen vor uns saß, waren eine unvergessliches Erlebnis.

Um so glücklicher waren wir als wir schließlich nach weiteren 7 Stunden Busfahrt endlich ankamen und unsere schöne Unterkunft im Zentrum der Altstadt von Arequipa beziehen konnten. Nach diesem langen Trip brauchten wir erstmal eine ausgiebige Dusche. Unser erster Streifzug durch die Stadt führte uns am Abend dann zum Plaza de Armas der nur ein paar Minuten zu Fuß von unserem Hotel lag. Hier konnten wir sehen, wie die Stadt zu ihrem Beinamen „weiße Stadt“ kam. Die schönen Bauten aus der spanischen Kolonialzeit und insbesondere die Kathedrale leuchten aufgrund des verwendeten vulkanischen Sillar-Gesteines komplett weiß. Nach dem doch sehr einseitigen Essen in Chile freuten wir uns auch auf die peruanische Küche und wurden in einem kleinen Lokal, das sich auf verschiedene Kartoffelgerichte spezialisierte, fündig. Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück auf der Dachterrasse in das Kloster St. Cathalina. Dieses war bis 1970, also rund 400 Jahre, für die Öffentlichkeit gesperrt. In den Gasse und Räumen, die von den Nonnen bewohnt wurden, fühlten wir uns wie in einer anderen Zeit gelandet. Man kann sich gut vorstellen, wie hier gearbeitet, gekocht und gelebt wurde. Am zweiten Tag entdeckten wir durch Zufall die Markthalle der Stadt und gingen direkt auf Probier-Tour. Unzählige unbekannte Obstsorten mussten entdeckt und natürlich auch probiert werden. Zum Abschluss des Tages setzten wir uns an den Plaza de Armas und beobachten das Treiben, bevor es am nächsten Tag an den Titicacasee weitergehen sollte. Vor der Anfahrt mussten wir aber unbedingt noch die berühmte heiße Schokolade probieren. Glücklicherweise entschieden wir uns dafür uns eine Tasse zu teilen. Das ganze schmeckt nämlich wirklich nach flüssiger Schokolade und ist dementsprechend süß und sättigend.

Mit dem nächsten Bus ging es zum höchstgelegenen befahrbaren See der Welt, dem Titicacasee. Direkt am See auf 3800 m liegt der Ort Puno, in dem wir die nächsten Tage verbringen wollten, um von hier aus den See zu entdecken. Leider hatten wir hier was unsere Unterkunft anging nicht so viel Glück wie in Arequipa. Das Hotel hat schon seine besten Jahre hinter sich, was nicht wirklich für Wohlfühl-Atmosphäre sorgte. Die zusätzlichen 1500 Höhenmeter im Vergleich zu Arequipa machten sich außerdem auch bei uns bemerkbar. Mit Kopfschmerzen und frierend wachten wir am nächsten Morgen auf. Am Frühstückstisch lagen neben den üblichen Teesorten auch getrocknete lose Blätter und wir dachten sofort an unseren peruanischen Freund Alex, der uns vor unserer Reise nach Peru immer empfohlen hatte, dass wir Coca Tee trinken sollten, um uns besser an die Höhe zu gewöhnen. Einfach ein paar Blättchen ins heiße Wasser geben und 2 Minuten ziehen lassen. Und tatsächlich nach kurzer Zeit ging es besser. Ob die Symptome wirklich bekämpft werden oder sich die positive Wirkung daraus ergibt, dass aus der gleichen Pflanze die ein oder andere Droge hergestellt werden kann, haben wir aber nicht herausfinden können. Uns ging es auf jeden Fall besser und wir zogen los auf Entdeckungstour. Es war Samstag und Markttag in Puno. Die ganze Stadt wird zu einem riesigen Marktplatz, auf dem man einfach alles kaufen kann. Wir schlenderten durch die Gassen und kamen an einer Art Maibaum vorbei, um den sich einige Menschen scharten, die sangen und tanzten. In ihrer Mitte stand neben dem Baum auch eine zwei Meter hohe Mauer aus Bierkisten. Daraus wurde sich fleißig bedient. Als wir später noch einmal bei der Szenerie vorbeikamen, war der Baum gefällt und lag, nun ohne Geschenke die zuvor an den Ästen hingen, auf dem Boden. Es handelt sich, wie wir später erfuhren, hierbei um einen Brauch aus der Region. Am nächsten Morgen machten wir uns auf um die schwimmenden Inseln Uros auf dem Titicacasee zu besuchen. Mit einem Boot tuckerten wir durch das Schilf und steuerten die erste Insel an. Über mehrere Meter wird das Schilf im See übereinander geschichtet und bildet das Fundament auf dem dann auch die Hütten der Bewohner gebaut werden. Die Ureinwohner haben sich zu Zeiten der Inca somit auf den See flüchten können und waren vor Angriffen geschützt.

Auf den Inseln kommt man sich vor als würde man auf einem Heuboden laufen und die vorbeifahrender Schiffe bringen alles ordentlich ins Schwanken.

Unser nächstes Etappenziel war die Stadt Cusco, mit ihren zahlreichen Inka Stätten. Natürlich ging es wieder mit dem Bus von Puno aus los. Die Strecke durch das Altiplano mit seinen grünen Hügeln, abgelegenen Dörfern und dem atemberaubend Anden Panorama ist wirklich eine der schönsten Strecken in Peru. In Cusco angekommen sah das Wetter erst einmal nicht so toll aus. Grundsätzlich sagt man, dass man in dieser Region an einem Tag alle vier Jahreszeiten erleben kann, was wir in den nächsten Tagen auch selbst erleben sollten. Etwas abseits vom Plaza de Armas lag unsere Unterkunft. Von unserem Zimmer aus hatten wir eine schöne Sicht über die ganze Stadt. Da wir uns einiges anschauen wollten, haben wir uns direkt für fünf Nächte eingebucht. An unserem ersten Tag machten wir unsere obligatorische Entdeckungstour durch die Stadt. In den kleinen Gässchen gibt es zahlreiche Souvenirläden, die allerhand Textilien aus Alpaca Wolle anbieten. Selbst in der Nebensaison sind hier wirklich sehr viele Touristen unterwegs. So ist es auch nicht verwunderlich, dass anscheinend fast 90% aller Tourismuseinnahme in Peru in der Region rund um Cusco generiert werden. Im Zentrum der Stadt liegt wie gewohnt der Plaza de Armas, der von spanischen Kolonialbauten umringt ist. Auf jedem Schritt werden einem hier Touren, Souvenirs und „Massaches“ (= Massagen *hihi*) angeboten, was einem schon nach kurzer Zeit ganz schön auf den Wecker gehen kann. Wir flüchteten also in eine Nebenstraße und stießen zufällig auf die Markthalle der Stadt, die wir so oder so auf unserer Sightseeing-Liste hatten. Neben den bunten Obst- und Gemüseständen und den für uns Europäer etwas kuriosen Fleischständen, gibt es eine ganze Reihe von Ständen bei denen frischgepresste Säfte verkauft werden. Sobald man interessiert schaut, winken die Damen schon mit ihren Getränkekarten und buhlen um die Gunst der Gäste. Wir entschieden uns für eine Dame, die unserer Meinung nach am schönsten gewunken hat und setzen uns auf die Barhocker an ihrem Stand. Wir bestellten zwei Säfte und bekamen jeweils ein riesen Glas, nachdem wir den restlichen Tag auch nichts mehr zu Essen brauchten. Peru ist also ein super Ort wenn man mal eine Saftkur machen möchte :-). Am nächsten Tag schnappten wir uns ein Taxi und machten uns auf zu den Inka Stätten, die sich rund um Cusco befinden. Unser erster Stopp war Tambomachay, dass früher als Wasserheiligtum und Erholungsgebiet genutzt wurde. Durch die gesamte Anlage fließt das Wasser durch Kanäle. Gegenüber liegt die ehemalige Festung Puka Pukara. Von oben kann man sich gut vorstellen, dass die Inca Krieger hier eine gute Sicht ins Tal hatten um eventuell angreifende Feinde schon früh zu erkennen. Zur Ruine von Sacsayhuaman wollten wir von dort aus laufen. In einem kleinen Dorf auf dem Weg musste wir uns aber zunächst gegen ein Rudel Hunde behaupten. Da sie sich aber wenig von unserem Geschrei und Christophs Versuchen auf Spanisch das Wort „verschwinde“ zu rufen, irritieren ließen und uns anknurrten und -bellten entscheiden wir uns für die Flucht nach vorne und rannten wie Schulmädchen weg. In der ehemaligen riesigen Festung angekommen, erklommen wir die Felsen und standen vor einer zehn Meter hohen Zickzackmauer. Die einzelnen Steine wiegen bis zu 200 Tonnen und sind so bearbeitet, dass keine Fugen zwischen den einzelnen Steinen zu sehen sind. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, was Menschen schon vor 600 Jahren leisteten. Um die etwas entfernteren Sehenswürdigkeiten zu erreichen entschieden wir uns am nächsten Tag für eine geführte Tour. Über die auf einer Inkastätte gebauten spanischen Kirche in Chichero ging es nach Moray. In den kreisförmig angelegten Terrassen haben die Inkas wohl Ihre Bepflanzung an die verschiedenen Höhen und Temperaturen angepasst. Eine etwas andere Theorie lautet, dass die Konstruktion als UFO Landeplattform diente. In den nahegelegenen Maras Salzterassen konnten wir uns anschauen, wie seit der Inka Zeit und noch bis heute Salz gewonnen wird. In Pisaq und Ollantaytambo konnten wir dann noch zwei ehemalige Inka Dörfer entdecken. Den Besuch des wohl berühmtesten Ortes rund um Cusco, Machu Picchu, haben wir uns für unsere nächste Peru Reise aufgehoben, von der wir dann bestimmt einen Bericht schreiben werden :-). Besonders für Madeleine waren die letzten Monate eine wahre Durststrecke was neue Kleider anging. Deshalb ging es am nächsten Tag zum Shoppen in das wohl schönste Viertel von Cusco – San Blas. Boutiquen und stylische Cafes prägen das Bild der Gässchen.

Das nächste große Ziel auf unserer Liste war die Stadt Nasca mit ihren berühmten Linien in der Wüste. Da diese nur von oben aus der Luft zu sehen sind, war für unsere Zeit in Nasca ein Rundflug mit einer kleinen Propellermaschine geplant. Pünktlich wurden wir von unserem Hotel abgeholt und zum kleinen Flughafen gefahren. Bevor es an Bord ging musste wir jedoch erstmal auf die Waage. Denn bei über 90 kg war ein Aufpreis fällig. Da wir aber in den letzten Monaten eher etwas ab- als zugenommen hatten, waren wir deutlich unter der Grenze. Mit drei anderen Passagieren stiegen wir nun in das kleine Flugzeug und setzten die Kopfhörer auf. Die Propeller brachten die Maschine schnell auf Geschwindigkeit und wir hoben ab. Gleich zu Beginn war uns klar, dass dies wohl ein ein bisschen anderer Flug werden würde, als mit einem großen Passagierflugzeug. Die leichte Maschine wackelte hin und her. Um die Linien und Tierabbildungen gut sehen zu können, flog der Pilot enge Kurven. Nach der dritten oder vierten Kurve wurden die Gesichter von uns und denn anderen Passagieren immer blasser. Die Aussicht war wirklich fantastisch aber wir mussten uns zunehmend auf uns konzentrieren, um nicht das Frühstück irgendwo im Flugzeug zu verteilen. Für die beiden Italienerinnen, die auch an Bord waren, war die Schmerzgrenze schon erreicht. Sie mussten von den bereitgestellten Tüten Gebrauch machen. Der Pilot erklärte die einzelnen Formationen in der Wüste, die teilweise mehrere Kilometer lang sind, aber lediglich ein paar Zentimeter in den Boden gegraben wurden. Entstanden sind die Linien in der Zeit der Nasca-Kultur also fast 1000 Jahre vor den Inkas. Über die Bedeutung gibt es natürlich wieder viele Theorien. Neben der gängigsten Hypothese, dass die Strukturen als Platz für Zeremonien und für die Himmelsbeobachtung dienten, gibt es auch Theorien das die Kultur schon über Fluggeräte verfügt haben sollte, die von hier aus gestartet sein sollen. Nach einer halben Stunde Flug ging es zurück Richtung Flughafen. Nach der Landung waren alle froh endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Etwas benommen setzten wir uns erstmal auf eine Bank, da uns immer noch schwindelig war. Trotzdem war es ein tolles Erlebnis die berühmten Nasca Linien zu sehen. Den restlichen Tag verbrachten wir in unserem Hotel und entspannten am Pool, den wir dank der knapp 30 Grad Außentemperatur ausgiebig nutzen konnten.

Auf unserem Weg in Richtung Lima wollten wir noch einen Abstecher nach Ica machen. Etwas von der Stadt entfernt liegt die kleine Oase Huacachina. Die kleine Lagune ist von hunderte Meter hohen Dünen umgeben. Mit dem Bus kamen wir im Terminal von Ica an und schnappten uns ein Taxi zur Oase. Hier gibt es eigentlich nur Hotels und Restaurants, wodurch man sich wie in einem Cluburlaub vorkommt. Nach dem Mittagessen auf der schönen Dachterrasse unserer Unterkunft machten wir uns zur Besteigung der rund 300 Meter hohen Düne auf. Wir marschierten zum Rand der Düne und von dort aus ging es steil Berg auf. Da wir in den letzten Monaten doch sehr viel zu Fuß unterwegs waren, war der Aufstieg relativ schnell geschafft. Von oben wird einem erst deutlich wie groß die Wüste hier ist. Direkt hinter den Stadtgrenzen von Ica türmen sich die Dünen auf und erstrecken sich bis zum Horizont. Die Buggys die von der Oase aus zu Wüstentouren starten, wirken wie Spielzeugautos die über die Dünen flitzen. Die Sonne taucht die Landschaft in verschiedene Rottöne, um schließlich im Sand zu versinken. Den zweiten Tag nutzen wir zum Entspannen bevor wir uns am darauffolgenden Tag ins Getümmel der Millionenstadt Lima werfen wollten.

Von Ica aus ist es für peruanische Verhältnisse ein Katzensprung bis zur Hauptstadt. Nach 4 Stunden Busfahrt kamen wir am Terminal an. Unser Hotel liegt inmitten des historischen Zentrums und ist ein echtes Schmuckstück. Hinter der unscheinbaren Fassade versteckt sich ein wunderschöner Altbau mit hohen Decken und stilvoll eingerichteten Zimmern. Auf den Gehwegen tummeln sich tausende von Menschen und die Autos verstopfen die Straßen. Wir machten uns auf einen Rundweg, bei dem man alle wichtigen Gebäude der Stadt entdecken kann. Durch die Einkaufstraße ging es zum großen Platz, der natürlich auch in Lima „Plaza de Armas“ heißt. Hier stehen die Regierungsgebäude, die von zahlreichen Polizisten bewacht werden. Über einen kleinen Park gelangt man zum China Town von Lima, das den chinesischen Stadtteilen in den amerikanischen Städten sehr ähnelt. Nach dem Fußmarsch mussten wir uns erstmal im Hotel frisch machen. Nach einer Dusche waren wir wieder fit und machten uns auf die Suche nach einem Restaurant zum Abendessen. Bei Tripadvisor entdeckten wir ein Lokal ganz in der Nähe. Die urige Kneipe war fast komplett voll und wir ergatterten einen der letzten Tische. Während wir die Karte studierten, fiel uns auf, dass auf den Nachbartischen überall ganze Pisco Flaschen standen. Da wir dachten, dass dies halt hier so üblich ist, bestellten wir uns auch eine kleine Flasche des Traubenschnapses. Dazu gab es auch noch die passenden Zutaten um sich einen Chilcano zu mixen. Nachdem uns die Bedienung gezeigt hat wie es funktioniert, probierten wir unsere erste Mischung. Drei weitere Gläser später war die Flasche leer und wir doch etwas angedüdelt. Natürlich darf man bei so einem Lauf nicht aufhören. Es ging also in die nächste Bar und zum großen Finale auf die Tanzfläche zusammen mit den Peruanern.

Komischerweise waren wir am nächsten Morgen nicht so fit. Mit etwas Verspätung machten wir uns auf in den Stadtteil Miraflores. Schon am ersten Tag in Lima fiel uns auf, dass keine Straßenbahnen oder Ähnliches fahren. Tatsächlich läuft in der Stadt alles nur mit Busen, was natürlich zu einem entsprechenden Verkehrschaos führt. Um nach Miraflores zu kommen entschieden wir uns für die bequemere Version und nahmen ein Taxi. Im Norden des Stadtteils liegt die Gedenkstätte Huaca Pucllana, die auch aus einer Kultur weit vor den Inkas stammt. Die Besonderheit des Tempel ist, dass die Lehmziegel hier hochkant verbaut wurden, um das Gebäude vor Erdbeben zu schützen. Nach der Führung liefen wir Richtung Meer. Unterhalb der hohen Klippen liegt der Strand, der von zahlreichen Surfern genutzt wird. Im Einkaufszentrum Larcomar ganz in der Nähe kann man dann shoppen und bei einem Kaffee die schöne Aussicht aufs Meer genießen.

Die letzten 2 Wochen unserer großen Reise waren nun angebrochen. Bevor wir uns mit unseren Freunden aus Deutschland in Trujillo treffen würden, wollten wir aber unbedingt noch die Region rund um Chachapoyas erkunden, in der auch zahlreiche Ausgrabungsstätten zu entdecken sind. Die Suche nach einem passenden Bus von Lima nach Chachapoyas ergab lediglich eine Verbindung, die 24 Stunden dauern sollte. Nach der ganzen Busfahrerei war uns das doch etwas zu viel. Es ging also per Flugzeug zuerst nach Tarapoto, in den südlichen Teil des Amazonas Gebietes. Am Miniflughafen angekommen wurden wir schon erwartet. Schon im Vorfeld haben wir gelesen, dass es in Tarapoto keine normalen Taxis gibt, sondern nur Motorrad-Taxis, also eine Art Rickscha mit zwei Sitzplätzen. Der Fahrer staunte etwas über unser Gepäck, da insbesondere die Rucksäcke fast größer als er waren und er Mühe hatte diese auf dem Gefährt zu verstauen. Aufgrund des Gewichtes hatte das Motorrad auch ordentlich zu kämpfen. Schon auf der Fahrt zum Hotel bot er uns an mit ihm eine kleine Tour zu einem nahegelegenen Wasserfall im Regenwald zu unternehmen. Da wir erst am nächsten Morgen mit dem Bus weiter nach Chachapoyas fahren wollten, hatten wir den Nachmittag noch Zeit zumindest ein bisschen die Region anzuschauen. Nachdem wir kurz das Gepäck im Hotel abgestellt hatten ging es direkt los. Der Motor des Motorrads stöhnte und das Gefährt vibrierte als wir über die Berge in Richtung Regenwald fuhren. Auf halber Strecke war plötzlich eine Polizeikontrolle in Sicht, was unseren Fahrer sichtbar nervös machte. In etwas Entfernung hielt er an und machte uns verständlich, dass er nicht weiterfahren kann, den Grund haben wir nicht so wirklich verstanden aber egal. Er schlug uns vor zu einem anderen Wasserfall zu fahren. Wir waren relativ entspannt und genossen die Fahrt durch die tropische Umgebung. Zwischen der Straße und dem Wasserfall lag noch ein einstündiger Weg den wir zu Fuß bezwingen mussten. An einem Bach entlang ging es immer tiefer in den Urwald. Am Wasserfall wurde das Wasser etwas gestaut, wodurch ein Badesee entstand. Christoph ließ sich da natürlich nicht zweimal Bitten und sprang ins Wasser. Auch unserer Fahrer brauchte eine Abkühlung und hüpfte gleich inkl. Jeans in die Fluten. Es wurde langsam Abend und wir machten uns auf den Rückweg. Zum Sonnenuntergang machten wir noch einen kurzen Stopp an einem der beiden großen Flüsse und wurden dann wieder an unserem Hotel abgeladen.

Um 6.30 Uhr klingelte am nächsten Morgen der Wecker. Eine Stunde später sollte es nach Chachapoyas gehen. Mit unserem Fahrer Christian vom Vortag hatten wir vereinbart, dass er uns zum Busterminal fährt. Der Bus und seine Crew hatten schon die besten Tage hinter sich und 5 Minuten vor Abfahrt waren wir erst die beiden einzigen Fahrgäste, was uns etwas beunruhigte. Doch kurz vor Start sprangen noch ein Russe und eine Deutsche an Bord. Für die Mittagspause hielt wir irgendwo im nirgendwo. Christoph war wie immer schmerzfrei und bestellte sich ein Menü, welches wieder zum größten Teil aus Reis, Kartoffeln und Mais bestand aber dadurch natürlich gut satt macht. Die Region rund um Chachapoyas hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, da immer mehr Touristen in die Gegend kommen. Besonders die Festung Kuélap, die deutlich älter und größer als Machu Picchu ist, und der rund 700 m hohe Gocta Wassserfall stehen bei den Besuchern hoch im Kurs. Diese Sehenswürdigkeiten wollten wir uns natürlich definitiv auch nicht entgehen lassen. In Chachapoyas wollten wir fünf Nächte verbringen und fanden ein gemütliches Bed & Breakfast. Am nächsten Morgen liefen wir ins Stadtzentrum und schnurstracks in ein Reisebüro. Da wir mehrere Touren machen wollten, buchten wir direkt drei Trips für die nächsten Tage. Aufgrund der Lage und Höhe von Chachapoyas ist hier, wie in Cusco, täglich mit jedem Wetter zu rechnen. Für unsere erste Tour zum Gocta Wasserfall packten wir also von Regenjacke bis zur Thermo-Unterwäsche alles ein um für jede Wettersituation gewappnet zu sein. Am Reisebüro trafen wir unseren Guide und erst jetzt wurde uns klar, dass wir wohl eine private Tour gebucht hatten, da wir die einzigen Teilnehmer waren. Die „klassische“ Tour zum Wasserfall startet vom Dorf Cocachimba. Da wir jedoch bei der Buchung sagten, dass wir gerne wandern würden, ging es für uns auf den längeren Weg von San Pablo aus. Da unser Guide kein Wort Englisch sprach, war die Kommunikation etwas schwierig. Im Gegensatz zu uns zwei vollausgestatteten Touris lief er den gesamten Weg mit einer Chino Hose, einem Hemd und ohne jegliche Verpflegung/Wasser… kann man machen. Als wir fragten ob er nichts zu trinken bräuchte, meinte er sei wie ein Kamel und hätte heute morgen genug getrunken. Alles klar dann los. Der erste Teilabschnitt zum oberen Teil des Wasserfalls dauerte rund 2 Stunden. Schon dort merkten wir das unser Guide einen ganzen schönen Zahn drauf hatte und wir Probleme hatten an ihm dranzubleiben. Es ging über Stock und Stein und das Rauschen des Wassers wurde immer lauter. Der Wald lichtete sich und nun standen wir vor dem oberen Teil des Wasserfalls, der rund 200 Meter hoch ist. Das Wasser rauschte in die Tiefe und hüllte uns und unsere Kameras in einen Wassernebel. Trotz des doch ziemlich anstrengenden ersten Teils, heizte uns unser Guide mit den Worten „rapido“ weiter an. Um zum unteren Teil zu gelangen muss man einen steilen Weg bergab nehmen. Nach gut einem Drittel der Strecke erreicht man eine Aussichtsplattform von der man einen spektakulären Blick auf die Umgebung hat und insgesamt 10 Wasserfälle bestaunen kann. Der Weg war aufgrund der Regenfälle der letzten Tage sehr glatt und schwierig zu bewältigen. Unser Guide hatte aber wohl großes Vertrauen in uns und unsere Erfahrung und sprintete voraus. Am unteren Teil des Gocta Wasserfalles angekommen, konnten wir dessen ganze Pracht bewundern. Die Höhe und die Wassermassen sind einfach atemberaubend. Nach rund 16 Kilometern kamen wir im Dorf Cocachimba an und freuten uns auf unser Abendessen und eine heiße Dusche.

Am nächsten Tag steckte uns die Tour noch etwas in den Knochen. Deshalb waren wir froh, dass für diesen Tag die Ruinen von Kuélap auf dem Programm standen. Mit einer größeren Gruppe ging es zur Seilbahn, die in rund 20 Minuten bis an den Eingang der Ruine auf 3000 m fährt. Nun hatten wir auch einen englischsprachigen Guide der uns vieles zum Bau erzählen konnte. So wurde zum Beispiel berechnet, dass für den Bau von Kuélap mehr Material verwendet wurde als für den Bau der Cheopspyramide. Das Bauwerk ist wirklich kolossal. Im Inneren der Anlage wohnten die Reichen und Schönen in Rundhäusern und züchteten direkt in ihrer Küche Meerschweinchen, die ja in Peru noch bis heute auf der Speisekarte stehen.

Unsere letzte Tour am darauffolgenden Tag sollte nach Karajia und in die Höhle von Quiocta gehen. Bei einem kurzen Zwischenstop wurden wir erstmal mit Gummistiefeln und Lampen ausgestattet. Nach einer kurzen Einweisung auf spanisch (dieser Guide konnte mal wieder kein Englisch) ging es rein in die Höhle. Der schlammige Boden schmatzte unter unseren Füßen und nun wussten wir auch warum wir Stiefel bekommen hatten. Teilweise sanken wir bis zu den Waden im Matsch ein. Es ging immer tiefer hinein in die Dunkelheit, vorbei an über Jahrtausende lang geformte Stalaktiten und Stalagmiten. Nach rund 500 Metern hatten wir das Ende der Höhle erreicht und machten uns auf den Rückweg. In einem Loch in der Decke entdeckten wir noch eine Gruppe Fledermäuse, die sich durch unsere Anwesenheit aber nicht wirklich stören ließen. Nun war schon wieder das Ende der Höhle und das Tageslicht in Sicht. Unser Guide war anscheinend sehr begeistert, dass wir es ohne irgendwelche Zwischenfälle oder Ausrutscher durch die Höhle geschafft hatten und lobte jeden erfolgreichen Schritt mit „muy bien“. Wir tauschten unsere schlammigen Gummistiefel wieder mit unseren Wanderschuhen und fuhren weiter nach Karajini. Von dem kleinen Dorf aus verläuft ein Weg in Richtung Tal. Nach einer halben Stunde erreicht man einen weiteren Pfad, der an der Felswand entlang führt. In rund 50 Meter Höhe kann man dort die eigentliche Sehenswürdigkeit der Region erkenne. Sechs Sarkophage thronen über dem Tal und blicken Richtung Osten. Die Anführer der uralten Chachapoyas-Kultur wurden dort mumifiziert und bestattet. Man geht davon aus, dass einmal die komplette Felswand mit Sarkophagen bestückt war, diese aber insbesondere durch Erdbeben in die Tiefe gestürzt sind. Die Region rund um Chachapoyas war wirklich ein absolutes Highlight unserer Zeit in Peru und sollte in keiner Reiseplanung fehlen.

Nun war also tatsächlich unsere letzte Woche auf unserer siebenmonatigen Reise angebrochen. Ein Gefühl von Vorfreude auf die Heimat mischte sich mit ein bisschen Wehmut, dass nun die Reise vorbei sein sollte. Doch bevor es in den Flieger Richtung Deutschland ging, hatten wir noch ein letztes Ziel auf unserer Liste. In Trujillo wollten wir uns mit unseren Freunden Michaela und Alex treffen. Da wir schon seit längerem immer wieder von einem gemeinsamen Peru Besuch sprachen, freuten wir uns sehr auf die Zeit mit ihnen. Da Alex aus Trujillo stammt und dort noch Verwandte hat, kannte er sich natürlich in der Region sehr gut aus und stellte einen tollen Plan für die nächsten Tage zusammen. Mit dem Nachtbus ging es für uns von Chachapoyas nach Trujillo, wo uns die beiden am Terminal schon erwarteten. Es ging direkt zu Alex Mutter, wo wir mal wieder die peruanische Gastfreundschaft erleben durften. Herzlich wurden wir von der Familie empfangen und gleich mit einem landestypischen Frühstück versorgt. Frisch gestärkt ging es weiter zu den Tempeln Huaca de la Luna (Mondtempel) und Huaca del Sol (Sonnentempel). Einst dienten diese Tempel für Zeremonien, bei denen auch die ein oder anderen Menschen geopfert wurden, um die Götter milde zu stimmen. Es war faszinierend zu sehen, wie die Tempel aufgebaut waren und dass die Farben der Malereien und Reliefe noch gut erkennbar sind. Für die nächsten Tage bot uns Alex an, in seinem neuen Appartement in Huanchaco zu übernachten. Dort angekommen fühlten wir uns in der Wohnung direkt wie zu Hause. Huanchaco liegt direkt am Meer und ist in den Sommermonaten ein Paradies für Surfer aus aller Welt. Am Abend schlenderten wir noch zu viert über den Markt und die Promenade, wo wir die leckersten Picarones (peruanische Donuts aus Süßkartoffel-Teig) aßen und Alex und Christoph sich an Anticuchos (gegrillte Spieße aus mariniertem Rinderherz) versuchten. Für den nächsten Tag hatte Alex ein weiteres kulturelles Highlight geplant. Mit dem Taxi ging es an der Küste entlang zur Fundstelle der Frau von Cao. In einer Tempelanlage wurde, die wohl sehr bedeutende Frau der Moche-Kultur, entdeckt. Das Besondere am Fund waren die perfekt erhaltenen Grabbeigaben und die Tatsache, dass die Herrscherin mit zahlreichen Tätowierungen verziert ist. In einem kleinen Restaurant in der Nähe gab es dann tollen Fisch zum Essen. Eine weitere Sehenswürdigkeit der Region ist die Stadt Chan-Chan vor den Toren Trujillos, die wir am darauffolgenden Tag besichtigten. Die riesigen Komplexe aus Lehmziegeln dienten wohl als Vorratskammer und Verwaltungsgebäude. Mit dem Auto ging es zurück zu Alex Mama, die schon auf uns wartete. Für das Mittagessen hatten sie noch eine Überraschung für uns geplant. Es ging in ein Restaurant, das sich auf die Zubereitung von Meerschweinchen spezialisiert hat. Die kleinen Tierchen werden in Peru schon seit hunderten von Jahren gezüchtet und gegessen. Nach einer halben Stunde lag es dann gegrillt und gevierteilt vor uns inkl. Kopf. Christoph schnappte sich ein Teil und knabberte los. Das kross gebratene Fleisch erinnert stark an Hasenfleisch und ist wirklich lecker, obwohl an den Tierchen nicht viel dran ist. An unserem letzten Tag schlenderten wir gemeinsam durch die schöne Altstadt von Trujillo, die von bunt bemalten Kolonialbauten bestimmt wird. Am Abend war dann leider schon wieder Zeit sich von Michi und Alex zu verabschieden. Für uns ging es auf die letzte Fahrt mit dem Bus nach Lima, wo wir am nächsten Tag in den Flieger nach Deutschland stiegen.

Seit einer Woche sind wir nun wieder zurück in Deutschland und haben uns auch schon wieder etwas akklimatisiert. Wir haben uns wirklich sehr darüber gefreut, dass ihr unsere Berichte immer fleißig gelesen und kommentiert habt. In den nächsten Wochen ist Karlsruhe wieder unser Wohnort, bevor es dann weiter geht. Wohin steht aktuell noch in den Sternen. Wir freuen uns auf jeden Falll euch alle bald wieder zu sehen.

Still more seasides to come…

Madeleine & Christoph

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