Nach dem nassen Silvester Abend genossen wir am ersten Tag des neuen Jahres erstmal ausgiebig unser gemütliches Hotelzimmer. Im Klartext hieß dies ein ausgiebiger Tag mit Trash-TV im Bett ;-). Ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen weiter. Wir ließen Christchurch hinter uns und fuhren zur Banks Peninsula. Im schicken Örtchen Akaroa, das aufgrund seiner französischen Siedler einen gewissen mediterranen Flair hat, schlenderten wir an der Promenade entlang. Da auf dem Campingplatz, den wir für diesen Tag ins Auge gefasst hatten, leider kein Plätzchen mehr für uns frei war (die Ferien hatten nun auch für die Kiwis begonnen), beließen wir es bei einem Tagesausflug auf der Landzunge und steuerten zurück ins Landesinnere und auf einen freien Campingplatz.
Unser nächstes Etappenziel war Mount Sunday. Doch zuvor ging es für einen Zwischenstopp an die Rakaia Schlucht. Wir ergatterten einen schönen Platz mit direkter Sicht auf den Fluss für die Nacht. Da es noch früh am Tag war, entschieden wir uns die Wanderung entlang der Schlucht zu laufen. Es ging über Stock und Stein, vorbei an verdutzten Schafen hinauf zum Aussichtspunkt. Am Abend freuten wir uns auf eine Dusche und ein Abendessen mit schöner Aussicht. Frisch gestärkt und gut gelaunt ging es am nächsten Morgen los Richtung Mount Sunday. Der Plan war es unterwegs unseren Campingplatz klar zu machen und dann weiter zum Berg zu fahren. Teil eins klappte prima. In Mount Somers schlugen wir bei der „Carekeeperin“ Wendy unser nächstes Lager auf. Und weiter ging die Fahrt. Schon einige Kilometer lagen hinter uns, als Madeleine plötzlich erschrocken auffuhr. „Wo sind eigentlich unsere Wanderschuhe?“ Tja, die standen noch im vorherigen Campingplatz an der Rakaia Schlucht, weil wir sie am Abend zuvor komplett unter das Auto geschoben hatten, dass sie zwar ordentlich durchlüften, aber bei einem evtl. Regen nicht nass werden. Lange Rede … wir drehten um. Nach ca. 45 Minuten waren wir wieder am Punkt 0 angelangt – dieses Mal mit Wanderschuhen. (Wir machten drei Kreuze, dass wir es hier nicht mit den australischem Distanzen zu tun hatten). Weiter ging’s, vorbei am See Clearwater, der sich perfekt für ein Mittags-Picknick anbot, die unbefestigte Straße entlang weiter in die Berge. Die letzten 2 km zum Mount Sunday müssen dann vom Parkplatz zu Fuß überwunden werden. Die Aussicht von oben ist wirklich einmalig. Wir konnten die Ausblicke auf die Berge fast ganz alleine genießen und diesen schönen Ort auf uns wirken lassen. Der Abstecher hat sich definitiv gelohnt.
Weiter ging es auf der Inland Scenic Route 72, die den Namen nicht umsonst trägt und an schönen Landschaften vorbei führt. In Lake Tekapo war es dann auch wieder vorbei mit den verhältnismäßig leeren Straßen. Der Ort wurde von zahlreichen Touristen belagert. Deshalb steuerten wir den kleineren See Alexandrina an, der ganz in der Nähe liegt. Es geht vorbei an Feldern mit Lupinen in den unterschiedlichen lila und rosa Schattierungen. Von hier hat man auch schöne Blicke auf den türkisblauen Tekapo See. Für die Nacht hatten wir uns einen kleineren Stellplatz ausgesucht, der bei der Ankunft jedoch wenig Wohlfühlatmosphäre versprühte. Eine der Dauer-Camperinnen meinte es gäbe noch einen weiteren Platz etwas weiter die Straße entlang. Hier war es schon etwas gemütlicher, doch einen geeigneten Stellplatz zu finden war trotzdem kompliziert. Christoph hatte sich nun aber in den Kopf gesetzt einen Platz zu ergattern und quatschte jeden an der nicht bei 5 im Zelt war, bis wir schließlich den Präsidenten des Vereins antrafen. Schweren Herzens konnte er sich von seinem Bierchen loseisen und zeigte uns „hochmotiviert“ wo wir uns hinstellen durften. Danach trennten sich unsere Wege für den Rest des Nachmittags. Während Christoph den See erkundete, lag Madeleine kränkelnd im Wagen – der nasskalte Silvesterabend hatte seine Spuren hinterlassen.
Die Region rund um den Lake Tekapo ist aufgrund seiner extrem geringen Lichtverschmutzung ein Mekka für Sternengucker. Auf Mount John wurde deshalb auch eine Sternwarte aufgebaut. Natürlich wollten wir uns dieses Schauspiel nicht entgehen lassen. Nachts ging es warm eingepackt und mit Taschenlampe hoch auf einen kleinen Hügel in der Nähe des Campingplatzes. Der Himmel war im wahrsten Sinne des Wortes „sternenklar“ und wir konnte die Milchstraße und gefühlt eine Million Sterne bestaunen.
Als nächstes Ziel hatten wir den Mount Cook Nationalpark angepeilt. Doch zuvor war ein Blick auf die Google Wettervorhersage angesagt, was sich schon in den letzen Wochen bewährt hatte. Aufgrund der Vorhersage war mal wieder taktieren angesagt, um tolles Wetter am Mount Cook zu erwischen. Wir saßen also einen Regentag ab. Was aber gar nicht so schlecht war, um mal wieder Kontakt mit der Heimat aufzunehmen und die ein oder andere Zeile zu schreiben. Am nächsten Morgen war der Himmel klar und wir starteten motiviert zum Nationalpark. Allein die Fahrt zum mit 3724 m höchsten Bergs Neuseelands war schon spektakulär. Es ging entlang am Lake Pukaki, der aufgrund des im Schmelzwasser enthalten „Gletschermehls“ hellblau wirkt. Das „Gletschermehl“ entsteht durch den Abrieb des Gletscheruntergrunds, welches durch das Schmelzwasser dann in den See fließt. Für den Tag hatten wir uns zwei Wanderungen ausgesucht. Zunächst ging es rechts ab zum Tasman Gletscher. Nach einem kurzen Marsch lagen Gletschersee und Gletscher vor uns bzw. das was von ihm noch übrig ist. In den letzten hundert Jahren hat die Menge des Eises stark abgenommen, was noch gut an den seitlichen Berghängen erkennbar ist.
Der zweite Weg nennt sich Hooker Valley Track. Schon bei Ankunft am Parkplatz war klar, dass dieser Pfad wohl recht beliebt ist. Wir machten uns startklar und marschierten los. Der Track führte über mehrere Hängebrücken, die besonders für Madeleine und ihre Höhenangst eine kleine Herausforderung waren. Aber der Wagemut hat sich gelohnt. Die Landschaft mit den schnee- und eisbedeckten Bergen ist wirklich atemberaubend. Just im Moment als wir den Mount Sefton bewunderten, löste sich in der Nähe des Gipfels eine Lawine und rauschte seitlich den Hang hinab. Mit der Kamera konnten wir den Moment teilweise einfangen. Nach ca. eineinhalb Stunden kamen wir dann beim Ende des Weges an, das am Hooker Gletscher liegt. Eisschollen treiben auf dem Wasser und in der Ferne ist der Gletscher gut zu sehen.
Zurück am Auto suchten wir uns eine adäquate Unterkunft für die Nacht. Da die Campingplätze in der Umgebung leider keine gute Bewertungen hatten, entschieden wir noch ein Stück in Richtung unseres nächstes Etappenziels Queenstown zu fahren. Relativ spät kamen wir am Lake Hawea an, konnten uns jedoch noch einen schönen Platz mit Blick auf den See sichern.
Am nächsten Morgen war dann erstmal wieder Vorräte auffüllen angesagt. Wir fuhren nach Queenstown und versorgten uns für die nächsten Tage. Im Skipper Canyon etwas außerhalb der Stadt lag unser nächster Campingplatz. Die Bewertungen auf der Rankers App hatten schon vermuten lassen, was dort auf uns zukommen wird. Die Anfahrt übertraf allerdings die Erwartungen. Nachdem wir die zahlreichen Warn- und Gefahrenschilder passiert hatten ging es auf der einspurigen Stecke direkt an der Schlucht entlang. Fahrbahnplanken –Fehlanzeige. Teilweise wurde es recht eng an den Seiten, was unseren Puls doch etwas beschleunigte. (Leider gibt es keine Fotos, weil wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt waren). Nach schier endlos langer Fahrt waren wir kurz vor dem Ziel angekommen. Zwischen dem Campingplatz und uns befand sich nun nur noch eine Brücke, die schon ihre besten Tage hinter sich hatte. Wir hielten uns an den Händen und fuhren wie auf Eierschalen über die Schlucht. Da diesen Weg nicht viele auf sich nehmen, hatten wir den Ausblick dann fast für uns alleine. Auch hier waren im letzten Jahrhundert Goldsucher unterwegs. Die letzten Spuren davon kann man im restaurierten Schulgebäude und den Überresten des Friedhofs und Hotels erkunden. Da wir trotz nachgerüstetem Moskitonetz am nächsten Morgen mal wieder mit einer Mückenplage zu kämpfen hatten, suchten wir uns einen alternativen Frühstücksplatz. An einem Picknickspot am See etwas außerhalb von Queenstown machten wie es uns gemütlich. Queenstown selbst ist bekannt als Ausgangspunkt für allerlei Outdoor- und Actionaktivitäten, von Jet Boot fahren bis Bungeespringen. Von Action hatten wir an dem Morgen jedoch erstmal genug, weil wir die Mörderstrecke vom Skipper Canyon ja schon zurückgefahren waren und so beschlossen wir stattdessen Schuhe zu shoppen (aktueller Stand: 1 verlorenes Paar Chucks auf Bali und 2 kaputte Paar FlipFlops in Neuseeland – alles Madeleine). Queenstown hat wirklich ein paar nette Sträßchen und Madeleine wurde auch direkt fündig.
Unser nächstes Ziel war Milford Sound. Hier hatten wir im Vorfeld eine Bootsfahrt gebucht, die in drei Tagen direkt vom Fjord aus starten sollte. Auf dem Weg machten wir jedoch noch eine Zwischenstopp an den Mavora Lakes. Der Ort war perfekt um die Seele richtig baumeln zu lassen. Am nächsten Morgen ging es dann auf die einzige Straße die ins Fjordland führt und am Milford Sound endet. Auch hier ist allein schon die Anfahrt die Reise wert. Die Straße führt durch Wälder und Berge, vorbei an Flüssen und Wasserfällen. Da es auf der Strecke nur wenige günstige Campingplätze gibt und das Boot um 9.00 Uhr ablegen sollte, entschieden wir uns für den Platz, der am dichtesten am Milford Sound liegt. Nach einer überraschenderweise sehr kalten Nacht in unserem Bruno, fuhren wir um 7.00 Uhr los, um pünktlich dort zu sein. Das letzte Stück der Straße verläuft durch einen Tunnel und dann über steile Serpentinen in den Fjord. Am Ziel angekommen gab es erstmal ein kleines Frühstück inkl. koffeinhaltigem Heißgetränk und dann fuhr unser Dampfer auch schon los. Bei blauem Himmel ging es vorbei an zahlreichen Wasserfällen, die der Kapitän so dicht anfuhr, dass die mutigen Passagiere am Bug klitschnass wurden. Kurz vor dieser Aktion warnte der Kapitän noch, dass das Wasser zwar die Haut um 10 Jahre verjüngen soll, dies aber nicht für elektronische Geräte gilt. Es ging weiter bis an die Meeresmündung. Auf dem Rückweg passierten wir eine Stelle, wie sie es so nur drei mal auf der Welt gibt. Auf einen Blick kann man hier Meer, Gletscher und Regenwald bestaunen. Nach zweieinhalb Stunden hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und tolle Aufnahmen im Gepäck.
Unsere Route führt uns nun weiter Richtung Süden.
More seasides to come…
Madeleine & Christoph
