Nach einem gemütlichen Heiligabend ging es am ersten Weihnachtstag weiter die Westküste entlang Richtung Süden. Doch zuvor wollten wir noch einen kurzen Abstecher an den Strand in Karamea machen. Der immer stärker werdenden Regen irritierte uns dabei nicht, da wir ja ein tolles Fahrzeug mit Vierradantrieb haben. Wir würden damit ganz einfach direkt auf den Sand fahren und könnten das Meer genießen ohne aus dem Auto auszusteigen. Auf dem Strand waren wir relativ schnell, doch als wir den Rückweg antreten wollten, kam unser treues Gefährt nicht so richtig voran… und wir blieben stecken. Uns schossen sofort Szenerien durch den Kopf, wer uns an diesem verlassenen Strand, an einem verregneten Weihnachtstag wohl wieder herausziehen möchte? Da komischerweise niemand in der Nähe war, versuchten wir es noch einmal im Alleingang, bevor wir wohl zu Fuss zum nächsten Farmer hätten laufen müssen. Also erstmal in den Vierrad Antrieb geschalten und rückwärts aus dem Sand raus, weiter ging es mit Vollgas etwas den Strand entlang, um die Kurve hoch auf die Düne mit genug Schwung erklimmen zu können. Der Motor heulte auf, doch wir schafften es und kamen über den Hügel.
Nach dieser Aktion waren wir auf jeden Fall hellwach und fuhren nun auf der geteerten Straße in Richtung unseres Tagesziels den Pancake Rocks. Nach ein paar Kilometern hatten wir den Regen hinter uns gelassen und kamen auf den Highway 6. Die wunderschöne Kurvenstrecke führte direkt am Meer entlang. In Punakaiki kamen wir an unserem Campingplatz an, der direkt neben den bekannten Rocks liegt und Zugang zum Strand hat. Da das Wetter in den nächsten Tagen schön bleiben sollte, entschieden wir kurzfristig zwei Nächte zu bleiben. Am Nachmittag war erstmal etwas Entspannung am Meer angesagt. Wir ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen und schlummerten bei Meeresrauschen ein. Zurück am Campingplatz war die Anzahl der Neuankömmlinge deutlich gestiegen, was sich insbesondere an der Wartezeit bei den Duschen der Damen zeigte. Am nächsten Tag ging es dann zu den Pancake Rocks, die, wie der Name schon sagt, wie aufeinander gestapelte Pancakes, aussehen. Vor dem Besuch informierten wir uns noch bezüglich der Uhrzeiten für Ebbe und Flut, denn die Rocks sind insbesondere bei Flut sehr eindrucksvoll. Durch Wetter und Wellen wurden die Felsen geformt und durch unterirdische Kanäle drückt es das Wasser durch sogenannte Blowholes wie Fontänen nach oben. Am nächsten Morgen packten wir unsere sieben Sachen zusammen und machten uns wieder auf die Reise. Bevor es zum Arthurs Pass ging, war noch ein kurzer Abstecher zum Truman Track geplant. Hier ist es genau anders herum wie bei den Pancake Rocks: Den Track sollte man bei Ebbe laufen, da nur bei niedrigem Wasserstand die ausgewaschenen Felsen und Höhlen sichtbar sind.
Direkt am Beginn des Passes in Goldsborough wollten wir unser Nachtlager aufschlagen. In der Region wurde früher Gold abgebaut und noch heute darf man im Fluss direkt am Campingplatz nach dem Edelmetall suchen. Natürlich mussten wir da unser Glück auch versuchen. Kurzerhand verwandelten wir unseren gebrauchten Wassercontainer in eine Schürfwanne und zogen mit Hammer (den hatten wir noch von unserem Bruno-Umbau) an den nahegelegenen Fluss. Eine Stunde wurde gehämmert und geschürft, leider blieb der erhoffte Schatz aus. Ohne Gold ging es also am nächsten Tag weiter. Der Pass führte uns vorbei an schönen Bergen und Tälern. Im Ort Arthurs Pass war mal wieder einmal wandern angesagt. Über zahlreiche Stufen ging es hoch zum Devils Punchbowl Wasserfall, der von 131 m in die Tiefe stürzt. Für die Nacht wollten wir uns dann mal wieder auf einem kostenfreien Platz stellen. Abseits des Passes erreichten wir über eine holprige Strecke auf einer Anhöhe den Stellplatz, den wir fast ganz alleine für uns hatten und von wo aus wir das Bergpanorama bestaunen konnten. Schon bei der Ankunft fielen uns die zahlreichen Sandflies (kleine Stechmücken) auf, die wir aber mit unserem aus Australien importierten Mückenspray gut in Schach halten konnten. Jedoch haben wir nicht damit gerechnet, dass der nächtliche Regen, die Anzahl der Mücken um gefühlt eine Million erhöhen würde. Panikartig räumten wir am nächsten Morgen unsere nassen Campingstühle und den Tisch ins Auto und düsten los, bevor wir aufgefressen wurden. Nach ein paar Kilometern waren wir der Plage entkommen und konnten mückenlos frühstücken.
Die Kombination aus toten Mücken und klebrigen Mückenspray machte den Innenraum von Bruno allerdings etwas ungemütlich, deshalb war klar, dass unbedingt ein Campingplatz mit Waschmaschine hermusste. Doch zuvor ging es weiter auf dem Arthurs Pass Richtung Christchurch. Auf halber Strecke lag das Cave Stream Reserve. Hier gibt es eine Höhle, die im Alleingang betreten werden kann. Nach etwas Zögern, wagte Christoph den Einstieg. Ausgestattet mit Badehose, Wasserschuhen, Helmlampe und Fleece ging es los. Am Eingang der Höhle muss zunächst ein hüfthohes, eiskaltes Wasserloch überwunden werden. Nach diesem Temperaturschock geht es immer weiter ins Innere. Der Fluss, durch den man die ganze Zeit läuft, wird schmaler und damit auch immer schneller. Es geht die Stromschnellen hoch und runter. Kurz vor dem Ausgang schießt einem das Wasser wie in einer Wasserrutsche entgegen, sodass man das Ende nur durch eine installierte Leiter mit Metallketten erreichen kann, an denen man sich festhalten muss, da man sonst der Strömung hilflos ausgesetzt wäre. Nach ca. einer Stunde sieht man dann im wahrsten Sinne des Wortes wieder Licht am Ende des Tunnels. Christoph war k.o. und komplett nass aber happy. Nach diesem actionreichen Vormittag fuhren wir dann zum ersehnten Campingplatz. Hier wurden erstmal die Waschmaschine und Duschen in Beschlag genommen und sowohl wir, als auch Bruno damit wieder salonfähig gemacht. Bei Wein, Nudelsuppe und einem Kartenspiel ließen wir dann den Abend ausklingen.
Als letzten Stop vor Christchurch, wo wir Silvester verbringen wollten, hatten wir uns einen Ort ausgesucht, an dem es die nur in Neuseeland lebenden Hector Delphine geben soll. Nach dem Mittagessen zogen wir die Joggingschuhe an und wollten eine Runde am Strand laufen. Schon nach ein paar Metern waren sie dann tatsächlich zu sehen. Ca. 10 Tiere schwammen direkt am Ufer entlang und begleiteten uns bei unserer Joggingrunde. Es war wirklich unglaublich!
Für Christchurch hatten wir uns mal wieder ein Hotelzimmer gegönnt. Im Stadtteil Riccarton fanden wir ein richtiges Schnäppchen inkl. Whirlpool :-). Da wir für den Check-In noch etwas zu früh dran waren, ging es erstmal auf Erkundungstour in die City. Aufgrund des starken Erdbebens 2011, in dem die Innenstadt fast komplett zerstört wurde, war wirklich einen besondere Stimmung spürbar. Leerstehende Gebäude standen neben komplett neu gebauten Geschäften. Die Kathedrale wurde ebenfalls massiv beschädigt. Als Übergangslösung wurde eine Kirche von einem japanischen Architekt aus Papierrollen und Kunstoff errichtet. Schon auf dem Weg in die Stadt fielen uns die vielen Elektroroller auf, mit dem alt und jung durch die Straßen sausten. Für den Rückweg zum Hotel mussten wir das natürlich auch direkt ausprobieren. Also App aufs Handy geladen und los ging’s. War auf jeden Fall sehr witzig und definitiv besser als zu laufen. Für den Silvester Abend war ein Event im Park geplant. Gegen 22 Uhr machten wir uns auf den Weg (ohne Regenjacken, was wir später noch bereuen sollten). Im Park angekommen sahen wir uns um: zahlreiche Essenstände doch weit und breit kein Stand wo wir ein alkoholisches Kaltgetränk erwerben konnten. Nach kurzer Recherche im Internet war klar, es war ein alkoholfreies Event. So was können sich auch nur Neuseeländer ausdenken. Naja egal, zumindest war die Band die auftrat, eine Rockband (macht auf jeden Fall Sinn, da kein Bier auszuschenken :-P), sehr gut. Doch dann kam gegen 23 Uhr der Regen und wir standen ohne Schutz da. Nach etwas hin und her überlegen bissen wir die Zähne zusammen und harrten aus, bis wir um 0 Uhr bei einem Feuerwerk das Jahr 2019 begrüßen konnten. Da der Regen eher stärker als schwächer wurde und wir inzwischen klitschnass waren, ging es dann schnurstracks zurück ins Hotel, wo wir uns auf eine warme Dusche und den kaltgestellten Silvester Secco freuten.
More seasides to come…
Madeleine & Christoph
